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Disputation im Erfurter Rathaus

Veranstaltung der https://www.luther-stiftung.org/de/ am 18.7.2023


Gerade erfolgt eine Menge Aufarbeitung der vergangenen mehr als 3 Jahre, leider nur in den Alternativ-oder Oppositionsmedien, die immer noch eine tragende Rolle dabei spielen. Aber es dringen auch hier und da Stimmen auf immer mehr öffentlichen Veranstaltungen durch, die das Erlebte spiegeln und bewerten und uns auffordern, genau hinzuschauen, zu dem, was da passiert ist. Es nicht einfach so stehen zu lassen, sondern Verantwortliche sind zu benennen und sie sind zu verurteilen. Es geht um mehr als nur den falschen Weg gegangen zu sein, es geht um Korruption, um Machtmissbrauch, es geht aber vor allem um unser aller Gesundheit und unseren Zusammenhalt als Gesellschaft, der brachial und mit großer Gewalt zerstört wurde! Die Narben werden nicht so schnell heilen, denn es ging tief, sogar an die Kinder, die Wurzeln unserer Gesellschaft schlechthin...


Gerne teile ich mit euch einige Worte der Disputation "Kirche und Kultur nach Corona. Analyse, Debatte und Konsequenzen", die von der https://www.luther-stiftung.org/de/ in Erfurt initiiert wurde.


Statement von Dr. Erich Freisleben, Berlin, am 18. Juli 2023, in Erfurt


Angst und Furcht


Angstreaktionen sind angeboren, bei den Tieren wie bei den Menschen. Sie sind Teil ihres Überlebensmechanismus, welcher Todesgefahren zu entgehen trachtet. Beim Tier ist es reiner Reflex. Beim Menschen zu einem Teil auch, zum anderen jedoch ein notwendiger Aspekt seines Bewusstseins. Denn ohne Angst gäbe es kein gefühltes Lebensrisiko und es fehlte ein wichtiger zentrale Impuls zu Bewusstseinsentwicklung. Vermutlich im Unterschied zum reflexhaften Wesen der Tiere gibt es für das menschliche Bewusstsein auch eine gedachte Angst, die man Furcht nennt. Furcht ist eine im Gedanken-Gefühlskomplex vorgestellte Angstsituation, das Bewusstsein einer möglichen Existenzbedrohung. Diese Furcht entsteht in uns, wenn wir als junger Mensch erstmals realisieren, dass wir irgendwann unser physisches Ende erfahren werden. Gleichzeitig macht dieses Bewusstsein vom existenziellen Ende uns erst zum bewussten Menschen, denn es zwingt uns dazu, ein persönliches Verhältnis dazu zu finden. Es fordert uns eine Ichleistung ab und formt damit etwas Einzigartiges, nämlich ein persönliches unverwechselbares Ich.


Die Religionen erleichterten den Menschen diesen Weg, indem sie die Furcht zur Ehrfurcht werden ließen. Ehrfurcht bedeutet das Bewusstsein einer höheren Weisheit und Macht, welcher das Ich sich anvertrauen kann. Die Basis für dieses Vertrauens wurde einst in der Harmonie der Natur gefunden. Harmonie war wahrnehmbar im Zusammenspiel aller Naturvorgänge und ihrer Schönheit. Der Wechsel des Kommens und Gehens beinhaltete dazu den Strom einer ewigen Zukunft. Hieraus konnte das Bewusstsein ahnend das Vertrauen dafür schöpfen, das auch das eigene Ich in irgendeiner Form eine ewige Zukunft habe. Die Religionen stärkten mit ihren Mythen die inneren Bilder der Menschen. Riten und Festen stimmten sie in das Gefühl von Harmonie ein.


Alle religiösen Urbotschaften schenkten ein solches Vertrauen. Die Institutionalisierung von Religion war jedoch auch anfällig für den Missbrauch von Macht. Denn das Beherrschen des menschlichen Bewusstseins bedeutet Macht über das Kollektiv der Individuen. Mit der Aufklärung begann der Mensch sich von solcher Machtausübung zu befreien, zunächst jedoch ohne seine religiöse Ehrfurcht aufzugeben. Mit der Wissensakkumulation entwickelten sich die Naturwissenschaft, die Mechanisierung und die Industrialisierung. Sukzessive wurden damit auch die Riten und Traditionen aufgeben. Mit zunehmender Intellektualisierung ließ auch die Ehrfurcht vor einer übermenschlichen Weisheit nach.

Das Lebensgefühl, sich dieser Weisheit anvertrauen zu dürfen wechselte dahingehend, selbstmächtig zu sein und sich mittel des Verstandes aus der Furcht befreien zu können. Damit wechselte die einstige Vorstellung von sinnhaften Zyklen, die in der Summe ein harmonisches Ganze ergeben hatten, hinzu einem linearen Wettlauf um Erkenntnis und Optimierung. Das Bewusstsein der Menschen hatte mit dem Verlust seiner vertrauensvollen Ehrfurcht auch sein inneres Zuhause verloren und war nun ganz auf sich gestellt. In dieser Schutzlosigkeit nahm er nun aus materialistischer Perspektive Flucht in Ideologien, intellektuelle Narrative und in die Optimierung des „Hier und Jetzt. Damit wurde aus Ehrfurcht Furcht vor Verlust.


Die Kaskade der Wissensakkumulation und des materialistischen Wettlaufs stößt nun an ihre Grenze. Die Früchte materieller Optimierung vergiften allmählich die Erde, und der menschliche Erfindergeist hat nicht nur Angenehmes, sondern auch Produkte zur mehrfachen Vernichtung der Menschheit hervorgebracht. Nach dem Verlust an Ehrfurcht wuchs nun eine Furcht vor Disharmonie und Zerstörung. Wenige Menschen haben den Benefit der fast zweihundertjährigen Industrialisierung im Wert eines finanziellen Vermögens von 60% der gesamten Menschheit auf sich konzentriert, während der überwiegende Teil entweder in Armut oder in ständiger Hetze lebt. Die wenigen Superreichen sind nun in der Lage, mit ihrer finanziellen Potenz sich des Bewusstseins der übrigen Erdbewohner zu bemächtigen. Und ihre stärksten Waffen sind die Furcht und das Versprechen von Schutz.


Die Handhabung der Corona Pandemie hat gezeigt, dass die überwiegende Zahl der Menschen bereit ist, wegen dieser Furcht auf ihre kulturelle Errungenschaft der freien Selbstbestimmung zu verzichten und sich der Illusion von Schutz durch Technologie hinzugeben. Es scheint auf Messers Schneide zu stehen, ob die Menschen erst durch Katastrophen die Ehrfurcht und das Vertrauen in die übermenschliche Weisheit wiedergewinnen können oder ob es einen Weg gibt, angesichts der Gefahren sich dessen aus freien Stücken bewusst werden. Es scheint als könne uns keine andere Macht retten als die innere Anbindung eines jeden an sich selbst, die uns aus unseren intellektuellen Verirrungen hinausführen kann. Ein „Reset“ hin zur alten Welt der institutionellen Religionen erscheint unmöglich. Die Verbindung zwischen Geist und Materie muss neu und global entwickelt werden. Das Zyklische und das Lineare müssen in ein neues Gleichgewicht gebracht werden. Die hergebrachten Religionen mögen den Menschen Licht dafür schenken. Die Zivilcourage einiger möge voranschreiten. Ergriffen werden müsste er aber von den Menschen freiwillig. Vielleicht kann der folgende Ausspruch Albert Einsteins hier einen zeitgemäßen Weg weisen:


„Sie werden schwerlich einen tiefer schürfenden wissenschaftlichen Geist finden, dem nicht eine eigentümliche Religiosität eigen ist. Diese Religiosität unterscheidet sich aber von derjenigen des naiven Menschen. Letzterem ist Gott ein Wesen, von dessen Sorgfalt man hofft, dessen Strafe man fürchtet – ein sublimiertes Gefühl von der Art der Beziehung des Kindes zum Vater –, ein Wesen, zu dem man gewissermaßen in einer persönlichen Beziehung steht, so respektvoll diese auch sein mag. Der Forscher aber ist von der Kausalität allen Geschehens durchdrungen. Die Zukunft ist ihm nicht minder notwendig und bestimmt wie die Vergangenheit. Das Moralische ist ihm keine göttliche, sondern eine rein menschliche Angelegenheit. Seine Religiosität liegt im verzückten Staunen über die Harmonie der Naturgesetzlichkeit, in der sich eine so überlegene Vernunft offenbart, daß alles Sinnvolle menschlichen Denkens und Anordnens dagegen ein gänzlich nichtiger Abglanz ist. Dies Gefühl ist das Leitmotiv seines Lebens und Strebens, insoweit dieses sich über die Knechtschaft selbstischen Wünschens erheben kann. Unzweifelhaft ist dies Gefühl nahe verwandt demjenigen, das die religiös schöpferischen Naturen aller Zeiten erfüllt hat.“


Und 2 Videos von Philine Conrad, die u.a. das Eröffnungsplädoyer gehalten hat.






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